Saturday, January 28, 2023
spot_img
HomeSüdafrika“Ich möchte, dass mein Land vom bayerischen Technologie - Know-how lernt und...

“Ich möchte, dass mein Land vom bayerischen Technologie – Know-how lernt und profitiert.“

Exklusiv-Interview mit Mathula Magubane, Generalkonsulin Südafrikas für Bayern und Baden-Württemberg

Kap Express: Frau Generalkonsulin, welche berufliche Ausbildung haben Sie, und wie kam es zu Ihrer Berufung für dieses Amt?

M. Magubane: Ich hatte bereits sieben Jahre für die Regierung gearbeitet; zwei davon in Pretoria, unserer Regierungshauptstadt. Präsident Zuma stellte mich 1997 ein. Das damalige Ziel des Präsidenten war, Frauen für Führungspositionen zu qualifizieren. Nachfolgend wurde ich dann seine Pressesprecherin. In dieser Funktion habe ich an den meisten seiner Besprechungen und auch an Friedensverhandlungen teilgenommen. Auf diese Weise habe ich jede Menge politische Bildung erfahren. Wir waren ein hart arbeitendes Team, aber wir mochten unseren Job, denn wir hatten auch viel Spaß. Nach diesen sieben Jahren habe ich dann in die IT Industrie gewechselt, und als Head of Marketing and Corporate Communications (Bereichsleiterin Marketing und Unternehmenskommunikation) für IBM gearbeitet – bis mich Präsident Zuma in dieses Amt berief.

Wir nannten ihn ‘Baba’Consul-General-Mathula-Magu

Kap Express: Wie haben Sie Präsident Zuma erlebt? Was sind seine besonderen Qualitäten und Stärken?

M. Magubane: Jeder konnte ihn in seinem Büro aufsuchen. Uns war strengstens untersagt, eine Anfrage für einen persönlichen Termin mit ihm abzulehnen. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Bürger, der seine Rückfahrkarte nicht bezahlen konnte. Der Präsident bat mich um Hilfe, weil er selbst kein Bargeld bei sich hatte. Aber das ist wirklich nur ein Beispiel. Die gesamte Abteilung kannte ihn als einen sehr großzügigen und fürsorglichen Menschen – egal, ob es um die Mitarbeiter ging oder um “Leute von der Straße.” Deshalb haben wir ihn auch “Baba” genannt; das ist Zulu und bedeutet “Vater.“ Auf unseren gemeinsamen Reisen ins Ausland wurde ich immer wieder Zeuge, wie er öffentlich dazu stand, nie eine Schule besucht zu haben, und mit dieser Ehrlichkeit andere Politiker regelrecht “entwaffnete.” Als ich zum ersten Mal reden hörte, dachte ich nur “WOW – der ist wirklich brillant.”

Es fühlte sich an, als sei ich in einer Seifenblase

Kap Express: Welches Bild hatten Sie von Bayern und Deutschland, bevor Sie dieses Amt übernommen haben, und inwiefern hat sich Ihr Bild geändert?

M. Magubane: Ich hatte Deutschland bereits zuvor besucht, aber mein Aufenthalt war nie länger als acht Tage. 2001 war ich zum letzten Mal in Berlin, das war im Sommer. Als ich nun im vergangenen Jahr am 28. Dezember hier in dem verschneiten München ankam, kam es mir fast vor, als sei ich in einer Seifenblase. Bis zu meiner nächsten Reise nach Südafrika, kurze Zeit später. Auf dem Rückflug ertappte ich mich dabei, dass ich dachte: “Ich will nach Hause.” Da wurde mir klar, dass ich mich hier akklimatisiert und eingelebt hatte. Was die Menschen betrifft, so hatte ich ja nicht nur sehr intensive Trainings in allen Bereichen der Diplomatie, sondern auch im Hinblick auf die interkulturelle Aspekte. Ich war also bestmöglich auf die hiesige Mentalität vorbereitet.

Kap Express: Es gibt Stimmen, die besagen, dass Bayern und das Westkap sehr viele Gemeinsamkeiten haben. Stimmen Sie dieser Ansicht zu?

M. Magubane: Sowohl die Menschen in Bayern als auch im Westkap sind harte Arbeiter, aber ansonsten kann ich persönlich keine großen Gemeinsamkeiten feststellen.

Bayern – ein ‘Hot Spot’ der Informationstechnologie

Kap Express: Auf welche Weise wollen Sie diese Position anders gestalten als Ihre Vorgängerin?

M. Magubane: Meine letzte Vorgängerin hatte dieses Amt inne, als die Fußballweltmeisterschaft anstand. Somit liegt es auf der Hand, dass die Vorbereitungen dieses Großereignisses im Fokus ihrer Aktivitäten standen. Aber diese Ära ist vorbei. Da ich im IT – Umfeld tätig war, liegt mein Fokus auf der Technologie, zumal ich weiß, was man mit ihr erreichen kann, insbesondere wenn es darum geht, Probleme der Menschheit zu lösen. Deshalb möchte ich mich dafür verwenden, dass beispielsweise unser öffentlicher Sektor mehr der bayerischen technologisch basierten Strategien übernimmt und aus der ‘best – practice’ lernt.

Kap Express: Wie würden Sie Ihre Mission beschreiben? Und inwiefern glauben Sie, Ihrem Vaterland in Bayern dienen zu können?

M. Magubane: Mein primärer Auftrag ist sicher, Südafrika in Bayern und Baden-Württemberg zu repräsentieren. Beide Länder sind bekannt für ihre herausragende Industrie. Zudem ist Bayern ein ‚Hot Spot’ der Informationstechnologie. In den vier Jahren meiner Amtsführung möchte ich erreichen, dass mein Land von dieser Expertise profitiert.

Kap Express: Was sind Ihre Ziele, Pläne und Vision?

M. Magubane: Mein Ziel ist, meinem Land zu soviel technischem Know-how zu verhelfen wie nur irgendmöglich. In unseren Ministerien für Handel, Industrie und Bildung gibt es fortlaufend Programme für berufliche Fort- und Weiterbildung. Ich würde es begrüßen, wenn die in Südafrika ansässigen multinationalen Konzerne und unsere Regierung enger mit deutschen Institutionen wie der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) zusammenarbeiten und damit einen größeren Beitrag zu unseren „Skill Pools“ lieferten. Ganz besonders bin ich am deutschen Model der beruflichen Fachausbildung interessiert, denn es bietet Merkmale, mit denen die Ergebnisse unserer FET (Further Education Training (Weiterbildung)) Colleges und die Qualität unserer Trainings sicher noch gesteigert werden können. Die Anforderungen der Industrie und Wirtschaft auf der einen Seite, und die Fähigkeiten und Leistungen auf der anderen Seite in Einklang zu bringen – das ist meine Vision.

Südafrika – das ökonomische Kraftwerk des Schwarzen Kontinents

Kap Express: Wie sehen Sie Südafrikas Zukunft, insbesondere angesichts der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Situation auf Ihrem Kontinent?

M. Magubane: Wichtig ist, dass die Menschen allmählich anfangen zu begreifen, dass Afrika nicht eine homogene Einheit darstellt, sondern mehr als 50 Ländern umfasst, von denen Südafrika nur eines ist. Unsere Bevölkerung hat gerade die Milliardengrenze überschritten Wirtschaftlich sind wir in Südafrika eine der am schnellsten wachsenden Regionen weltweit. Während des letzten Jahrzehnts sind die Investitionen im privaten Sektor um durchschnittlich 5,4 Prozent gestiegen. Unser Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist vier Mal größer als das unserer südlichen Nachbarn. Wir haben einen Anteil von rund 25 Prozent und 40 Prozent des BIP von Afrika insgesamt. Unser Land war immer das “Kraftwerk” des Kontinents, und ich bin sicher, wir werden diese Position auch weiterhin behaupten. Aber wir sehen unsere Zukunft durchaus sehr eng verbunden mit den anderen Ländern unseres Kontinents, denn wir haben erkannt, dass wir – die Afrikaner – unsere Ziele leichter erreichen, wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten. Nehmen Sie beispielsweise die Southern African Development Community (SADC), die eine Freihandelszone erreicht hat, und nun wird bereits die Errichtung einer Freihandelszone diskutiert, die sich von Kapstadt bis Kairo erstrecken soll. Immer mehr internationale Unternehmen erkennen, dass Afrika der Markt der Zukunft ist. Viele von ihnen preschen bereits vor. Unserem Land kommt die wichtige Rolle des Eingangstors zu den anderen afrikanischen Länder zu, insbesondere zu denen südlich der Sahara.

Südafrika bietet Investoren zahlreiche Möglichkeiten

Kap Express: Wie beurteilen Sie die potentiellen Auswirkungen der derzeitigen weltweiten finanz-wirtschaftlichen Entwicklungen auf Südafrika?

M. Magubane: Wir sind alle Bewohner des ‘Global Village’ geworden, und das bedeutet, dass die weltweiten Entwicklungen Einfluss auf alle Märkte haben. Aber wir handeln nach gesunden Prinzipien, und die haben uns bisher vor größeren Turbulenzen, wie andere Länder sie durchleben (mussten), geschützt. Es gibt einige Gründe, die dafür sprechen, dass die derzeitigen Finanzturbulenzen in Europa und Amerika uns nur unwesentlich tangieren werden. Zum einen sind die Inder und Chinesen im Markt. Darüber hinaus aber gehören die gesetzlichen Bestimmungen für unsere Banken zu den besten weltweit. Unser Bankensektor liegt im globalen Rating unter den Top 10. Diese Faktoren sprechen für eine nachhaltige Stabilität. Ferner gehören wir zu den BRICS – Ländern (BRICS = Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika), die ohnehin für ihr Wirtschaftswachstum bekannt sind. Und Südafrika bietet jede Menge Möglichkeiten. Nehmen Sie beispielsweise den Ausbau unserer Infrastruktur oder auch den Sektor der Erneuerbaren Energien. Das offizielle Statement unserer Regierung, diesen Bereichen ein besonderes Augenmerk zu widmen, wird sicher viele Investoren anziehen.

Kap Express: Was sind Ihrer Ansicht nach die Hauptnutzen, die Bayern und das Westkap aus ihrer Partnerschaft ziehen?

M. Magubane: Im Rahmen dieser Partnerschaft gibt es viele Projekte, solche die bereits laufen und solche, die noch in der ‘Pipeline’ sind. Sie alle machen beide Seiten zu Gewinnern: Das Westkap erlangt viel Know-how und Expertise, und die bayerischen Unternehmen machen viele gute Geschäfte und generieren attraktive Erträge.

Kap Express: Möchten Sie die Gelegenheit nutzen und über Kap Express den Menschen in Südafrika eine speziellen Gruß zukommen lassen?

M. Magubane: Ich vermisse den sonnigen und strahlenden Himmel, aber 2014 bin ich wieder zurück. Und bis dahin werde ich mein Bestes tun, um Sie alle würdig zu vertreten und mit Stolz zu erfüllen.

Kap Express Korrespondentin Monika Kohut: „Frau Generalkonsul, vielen Dank für dieses Gespräch.“

RELATED ARTICLES

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

Most Popular

Recent Comments

Skip to toolbar