Friday, February 3, 2023
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Fusionen aus dem Turm

Ein privates Weingut, strategisch durchdacht wie die Planung eines neuen Produktes. Keine Weinseligkeit, keine Kellerromantik für Touristen. Für Emil den Dulk ist der Weinanbau pures Geschäft.

Von Ludger Pooth – Das kommt eben dabei heraus, wenn ein Marketing-Manager Winzer wird – und natürlich entstehen auch große Rotweine.

Ihm fehlt das Kantige, das Bäuerliche, das einen Winzer vom Land ausmacht. Emil den Dulk aus Johannesburg ist eben Großstädter. Hätte ihm jemand gesagt, er würde mal Winzer, hätte Emil den Dulk nur milde gelächelt.

Als er 1991 das Land kaufte, auf dem heute De Toren, eines der besten Weingüter Südafrikas, steht, sollte es bloß das neue Heim für die Familie den Dulk werden – die Berge von Stellenbosch im Rücken, der weite Blick auf die False Bay im Vordergrund.

„Die Lage machte die Entscheidung zum Kauf einfach“, sagt den Dulk. „Ich habe niemals an den Weinanbau gedacht.“ „Ein Weinberg mit Blick auf den Ozean ist ein guter Weinberg“, wird David Saayman, einer der Top Spezialisten für guten Weinboden in Südafrika, gerne zitiert. Nur, Emil den Dulk kannte ihn nicht und dachte auch nicht über guten Boden nach. Ihn und seine Familie faszinierte die traumhafte Aussicht mehr. Bis ein benachbarter Winzer zu Besuch kam und frohlockte: „Emil, hier musst du Wein anbauen.“ Der Geschäftsmann dachte nach, holte weitere Ratschläge ein und bepflanzte einige Hektar mit Wein. „Die Trauben haben wir an die Kooperativen verkauft“, erinnert er sich. „Die Qualität waren offensichtlich so gut, dass wir der Nachfrage nicht hinterher kamen.“ Der nächste Schritt war logisch. Den Dulk kaufte weiteres Land hinzu, holte sich die besten Fachleute auf den Hof und startete eine intensive Marktanalyse. „Bevor wir überhaupt einen Weinstock pflanzten, wollten wir erstmal wissen, welchen Wein wir später keltern und verkaufen.“ Den Dulk blickte nach Bordeaux und entschied sich: „Premier rouge wird unser Wein. Denn der Bordeaux ist der beste der Welt und wir wollen das Rad nicht neu erfi nden.“ Nach intensiven Bodenuntersuchungen wurden Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Malbec und Petite Verdot, eben die klassischen Bordeaux-Trauben, angebaut. Jedem Bodentyp wurde der passende Klon zugeordnet. Alle Parzellen des Weinguts sind zur False Bay hin ausgerichtet. Die konstante Brise ist eine natürliche Klimaanlage.

Der Jungfernjahrgang 1999 kam Ende 2000 auf den Markt – unter der Bezeichnung „Fusion V“ wurde der erste Cuvée in Südafrika mit allen fünf Bordeaux Rebsorten präsentiert. „Wir wollten von Anfang an nur einen Wein der Spitzenklasse keltern“, kommentiert der Besitzer von De Toren. Das ist wohl gelungen. Der erste, wie auch die folgenden Jahrgänge waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Das Verhältnis Nachfrage zu Produktion zwang Emil den Dulk, den Verkauf an die verschiedenen Abnehmer im In- und Ausland zu limitieren. In Südafrika bekommt jeder Käufer nur eine Kiste mit sechs Flaschen.

Die Konsequenz war das Projekt „Z“ (sprich Zee), benannt nach einer der letzten freien Parzelle des nur 20 Hektar großen Weingutes. Der neue Wein (erster Jahrgang 2004) heißt schlicht „Z“, und ist wie der „Fusion V“ ebenfalls eine Assemblage aus den 5 Bordeaux Traubensorten. Bei „Z“ ist der Hauptanteil Merlot, beim „Fusion V“ Cabernet Sauvignon.

„Geld ist nicht die treibende Kraft. Wir wollen den besten Wein produzieren“, erklärt Emil den Dulk. „Nur Qualität zählt.”

Perfektion, Akribie und Treue zum Detail sind die drei Säulen, auf denen der Erfolg von De Toren ruht. „Geld ist nicht die treibende Kraft. Wir wollen den besten Wein produzieren“, erklärt Emil den Dulk. „Nur Qualität zählt. Die kompromisslose Einstellung des Gutbesitzers lernte Kellermeister Albie Koch gleich am ersten Arbeitstag im Jahr 1998 kennen. Emil den Dulk hängte ein Poster mit den Worten auf: „Machst du schlechten Wein, trink ihn selbst.“

Doch Albie Koch nahm den Wink mit dem Zaunpfahl gelassen. Er hatte zuvor schon Erfahrungen auf Weingütern in Südafrika, im kalifornischen Nappa Valley und im französischen Montpellier gesammelt. „Er brachte eine Menge Ehrgeiz und Talent mit“, lobt ihn der Chef.

Auf De Toren wird Wein nach traditioneller französischer Art produziert. Die Trauben werden von den Rebstöcken mit der Hand geerntet und später wird jede einzelne Traube aussortiert. „Ich sage meinen Erntehelfern, wenn ihr die Trauben nicht essen würdet, weg damit.“

Kellermeister Koch soll nur unbeschädigte, beste Trauben bekommen. Denn sie werden auf De Toren nicht gepresst, sondern ganz fermentiert. Deshalb werden keine Pumpen, sondern die Schwerkraft eingesetzt. Den Dulk: „Pumpen ist Folter!“
De Toren ist übrigens nach dem markanten Turm benannt, der zwar keine architektonische Augenweide aber das Herzstück des Gutes ist. Im Turm befindet sich ein 4000 Liter Tank. Er wird wie ein Aufzug auf und ab gefahren und bewegt den Weinfluss in die gewünschte Richtung. Zum Beispiel in die 225-Liter-Barriques aus amerikanischer, französischer und ungarischer Eiche.

In diesen werden sie zwölf Monate bei einer Temperatur von 16°C ausgebaut. Was danach kommt, die Assemblage, also der Verschnitt der Grundweine zu großen Rotweinen, bleibt Kellergeheimnis. Emil den Dulk verrät nur so viel, dass die genaue Zusammensetzung durch Verkostungen ermittelt wird. Das ist natürlich Chefsache, denn der Boss kontrolliert während der gesamten Ernte und Kellerarbeit die Qualität höchst persönlich. Und der Geschmack spricht sowieso für sich.

De Toren
Polkadraai Rd, Stellenbosch 

info@de-toren.com

www.de-toren.com

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