Friday, February 3, 2023
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Schlaues Anbauprojekt Füllt Knurrende Mägen

Mit der einen Hand wischt sie kleine Schweißperlen von ihrer Stirn, mit der anderen rückt sie ihr Kopftuch zurecht, das sie vor der stechenden Mittagshitze beschützen soll.

Von Kristin Palitza – Obwohl es früh am Vormittag ist, hat Maggie Mbovu schon einige Stunden hart gearbeitet und den Boden des Gemeinschaftsgartens umgegraben.

Zusammen mit vier anderen Bauern pflanzt sie Kohl, Karotten, Zwiebeln und Kartoffeln an. Sobald diese reif sind, werden sie an Nichtregierungsorganisation Abalimi Beyekhaza (Bauernheimat) verkauft, die biologisch angebaute Gemüse im Großraum Kapstadts vermarktet.

„Zuerst haben wir nur genug Gemüse gehabt, um etwas für unsere Familien auf den Tisch zu bringen, aber seit ich Mitglied des Gemeinschaftsgartens bin, hat sich unser Leben verbessert. Meiner Familie und mir geht es gut. Die Arbeit ist hart, aber das gefällt mir. So bleibe ich fit", sagt Mbovu während sie in ihrem Garten in Fezeka, Gugulethu, einen Blumenkohl nach Schädlingen inspiziert.

Als Teil des Existenzsicherungsprojekts, das Armut und Hunger mindern soll, versorgt Abalimi Bezekhaza Kleinbauern wie Mbovu mit Saat, Dünger aber auch Landwirtschaftstraining und Geschäftssinn. Die Organisation hilft Bauern auch, ihre Waren zu in städtischen Zentren zu verkaufen, mit dem Ziel, sie vom √úberlebensniveau (anpflanzen, um überleben zu können) auf ein Niveau zu bringen, wo sie ein Einkommen erwirtschaften, das ihnen einen relativ guten Lebensstil ermöglicht.

„Wir wollen, dass die Bauern mindestens die Hälfte ihrer Ernte kommerziell verkaufen. Sie behalten den anderen Teil, um ihre Familien und Gemeinden gesund zu ernähren, aber auch um Geld zu verdienen. Das ist das Hauptziel Abalimis‚Äü, erklärt Rob Small, Abalimis Produktionsmittelmanager.

Alle Gemeinschaftsgärten sind 500m2 groß und bringen Abalimis Bauern monatlich zwischen R1,500 (‚Ǩ160)und R3,000 (‚Ǩ320) ein. Das ist mehr als der derzeitige Mindestlohn in Südafrika.

„Wir wurden gewarnt, dass es unmöglich ist, ein gutes Gehalt auf nur 500m2 zu erwirtschaften. Jeder sagt man braucht große Felder. Das ist totaler Blödsinn. Ich hoffe, dass andere von unserem Erfolg lernen und unsere Idee nachahmen‚Äü, sagt Small.

Er ist überzeugt, dass die Bauern sogar ein noch größeres Einkommenspotential haben, als sie zur Zeit erwirtschaften. „Sie könnten das Drei- oder Vierfache mit der gleichen Feldgröße erwirtschaften, aber zuerst brauchen sie mehr Training und Arbeitskräfte‚Äü, meint Small.

Südafrikanische Kleinbauern in ländlichen Gebieten und Townships haben es oft schwer, ihre Waren auf Großmärkten zu verkaufen, hauptsächlich weil sie kaum Transportmöglichkeiten haben. Darum hat Abalimi im Februar 2008 Harvest of Hope (Erntehoffnung) eingeführt – ein Programm, das Kisten voll von biologisch angebauter Gemüsesorten an wohlhabende Stadteinwohner vermarktet.

„Für Harvest of Hope pflanzen unsere Bauern bestimmte Gemüsesorten nach Nachfrage an, wie beispielsweise Karotten oder Rote Beete, und so ist jedes Beet des Gemeinschaftsgartens sozusagen vorgebucht und jedes Gemüse hat seine vorbestimmten Konsumenten. Auf diese Weise haben unsere Bauern ihr Einkommen garantiert‚Äü, erklärt Small.

Jeden Dienstag ernten die Bauern in den frühen Morgenstunden, sodass ihre Waren so frisch wie möglich sind.  Abalimi Mitarbeiter holen das Gemüse dann von 20 Gemeinschaftsernten in verschiedenen Townships mit einem Lieferwagen ab und bringen es zu einem zentralen Lager in Philippi wo es gewaschen, verpackt und ausgeliefert wird. Eine große Gemüsekiste kostet R95 (‚Ǩ10), eine kleine nur R65(‚Ǩ7).

Um Kunden zu gewinnen, hat Abalimi das Konzept in Schulen in und um Kapstadt vorgestellt. Kinder und deren Eltern von circa 10 Schulen und einige Abteilungen der University of Cape Town gehören zu Abalimis festen monatlichen Abnehmern.

So verkauft Abalimi mindestens 150 Kisten pro Woche. Die Hälfte des Profits fließt direkt in die Taschen der Kleinbauern, die andere Hälfte hilft der Organisation, sich über Wasser zu halten. „Wir sehen uns als Sozialunternehmen mit Fair Trade Prinzipien. Reich werden soll hier keiner‚Äü, sagt Small.

Gladys Puza, eine Mutter mit 5 Kindern, 22 Enkeln und 24 Großenkeln, ist eine der Kleinbauern, deren Familie vom Harvest of Hope Programm bereits profitiert hat. Sie ist die Hauptverdienerin in der Familie und versorgt deren Mitglieder hauptsächlich mit ihrem Gemüse.

„Abalimis Unterstützung hat uns wahnsinnig gut getan. Zum ersten Mal kann ich meine Ernte in der Stadt verkaufen‚Äü, sagt Puza. „Weil wir vorher keinen Marktplatz hatten, wo wir unsere Waren anbieten konnten, ist meine Ernte früher oft verrottet.‚Äü

Bis zum Ende des Jahres plant Abalimi das Programm vergrößert zu haben und 250 bis 300 Gemüsekisten pro Woche zu verkaufen, und dann zwischen 400 und 500 Kisten ab Ende 2011.

„Unser Endziel ist 600 Kisten pro Woche zu verkaufen, hoffentlich in 2012. Damit wäre das Potential unserer Felder maximal erreicht und wir würden R200,000 (‚Ǩ21,500) Profit machen. Mit dem Gewinn könnten wir dann noch mehr Kleinbauern unterstützen‚Äü, erklärt Small.

Momentan unterstützt Abalimi jährlich 3000 Bauern: 2500 bewirtschaften kleine Gärten hinter ihrem Haus und bauen an, was sie zum √úberleben brauchen, während 500 weitere Bauern Teil des Gemeinschaftsgartenprogramms sind.

Paul Cohen, Direktor der Gesellschaft für Ländliche Entwicklung in Kapstadt, glaubt das Abalimi ein erfolgreiches Konzept für Food Security entwickelt hat: „Für Kleinbauern ist es normalerweise wahnsinnig schwer, ihre Waren an den Großhandel zu verkaufen, teilweise weil die Regierung Agrikultur im kleinen Rahmen nicht subventioniert.‚Äü In Südafrika werden hauptsächlich große, kommerzielle Farmen und Monokulturen gefördert. „Die Regierung konzentriert sich auf gesamtwirtschaftliche Trends, die große, kurzfristige Profite bringen anstatt nachhaltige Tragfähigkeit‚Äü, sagt Cohen.

Das hat zur Folge, dass Kleinbauern, die nicht über die Kapazität verfügen, Nahrungsmittel für den Export oder Verkauf auf dem Weltmarkt anzubauen, kaum in Südafrikas Agrikulturrichtlinien berücksichtigt werden.

Experten, wie Cohen, warnen dass marktorientierte Gesetze allein die südafrikanische Agrikultur nicht tragfähig machen können. Er empfiehlt, dass die Regierung stattdessen kommerziellen Anbau mit sozialen und ökologischen Maßnahmen verbindet, mit Schwerpunkt auf Food Security und Verminderung von Kohlendioxid-Emissionen.

„Wir müssen Wege finden, um Wirtschaft, Landnutzung, Armut und Gesundheit zu verbinden. Wir müssen Strategien, die Armut mindern, mit marktorientierten Wirtschaftrichtlinien integrieren‚Äü, sagt Cohen.

Abalimi Bezekhayas Mikroanbaukonzept könne Teil der Lösung sein. „Wir helfen unseren Bauern mit weniger als R100 (‚Ǩ10.5) Subvention, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Abalimi kann als Model für den Rest des Landes genutzt werden‚Äü, stimmt Small zu. „Das Konzept ist da und funktioniert. Alles was die Regierung jetzt tun muss, ist es zu kopieren.

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