Tuesday, February 27, 2024
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Cape Classic, The magic of Music

Mit ihren drei Söhnen im Alter von sechs, fünf und vier Jahren sowie ihrer vier Wochen zuvor geborenen Tochter folgt Gabi Zahn 1983 ihrem Mann, einem Workaholic, der in erster Linie auf seine Karriere fokussiert war, unfreiwillig nach Südafrika.”

Monika Kohut – Hier, in Johannesburg am anderen Ende der Welt, fühlt sie sich “total entwurzelt und ohne jegliche Sozialbasis.” Es gibt keinen Arzt in erreichbarer Nähe, geschweige denn einen Kinderarzt oder gar eine Klinik mit Vorsorgeuntersuchungsmöglichkeiten. “Hinzu kamen die (vor)schulischen Herausforderungen an die Kinder, mit denen ich natürlich auch direkt konfrontiert war.” Da in Südafrika das Schuljahr ja bereits im April anfängt, bedeutet der Umzug einen Dreimonatssprung. “Es war der totale Kulturschock”, erinnert sie sich.

Die Mutterrolle in diesem Umfeld lässt für nichts und niemanden Raum oder Zeit außer für ihre vier Kinder. Es geht ausschließlich ums Überleben, auf organisatorischer Ebene.” Ich war völlig auf mich alleine gestellt und hatte weder Zeit für ein Hobby noch für einen Friseurbesuch.”  Aber wie so oft in ihrem Leben zuvor – und danach – krempelt sie die Ärmel hoch und packt an. Nach einigen Monaten hat sie die Dinge so “im Griff”, dass sie nun hin und wieder sogar die Muße findet, sich mit dem Land und Leuten zu beschäftigen. Und nach rund einem Jahr, als die Kinder und sie selbst sich endgültig eingewöhnt haben, wird sie dann doch noch vom “bacillus africanus” infiziert.
Nach Deutschland zurückgekehrt, beginnt sie, ab 1988, in Bad Kissingen als freie Journalistin zu arbeiten. Während ihrer Tätigkeit als Volksschullehrerin, ihrem ursprünglichen Beruf hatte sie sich verstärkt mit kulturellen und musikalischen Themen beschäftigt. Basierend auf diesem Wissen schreibt sie nun Kulturrezessionen über klassische Konzerte für fränkische Zeitungen.

Zeit ihres Lebens von panischer Publikumsangst geplagt, ist sie einmal mehr beeindruckt von der Bühnenpräsenz verschiedener Interpreten. Sie sucht deren Kontakt und spezialisiert sich nachfolgend auf Interviews. Ich stellte fest, dass ich die Fähigkeit hatte, den Schlüssel zu ihrer Seele zu finden, und diese Erkenntnis stärkte mein bis dahin doch eher begrenztes Selbstwertgefühl.”

Sie verbringt wiederholt ihren Urlaub in Südafrika und stellt fest, dass es quasi keine Konzerte mit klassischer Musik gibt. So kommt ihr die Idee, dort europäische Komponisten aufzuführen. Ihre Vision: Sie will den Kulturaustausch zwischen dem Westkap / Südafrika und Bayern / Deutschland unterstützen und unterprivilegierte Township-Kinder fördern.

Zunächst aber nimmt sie, ab 1994, Gesangstunden bei Barbara Ullrich-Witt. Im Jahr 2000 beginnt sie dann ein Studium der Musikwissenschaften an der Würzburger Hochschule für Musik bei Professor Klaus Hinrich Stahmer, und ein Jahr später nimmt sie als Passive teil an einen Meisterkurs bei Professor Christoph Prägardien in Osnabrück. Ebenfalls im Jahr 2001 absolviert sie, im Rahmen des Europäischen Musikfestes in Stuttgart, ein Studium Generale bei den Professoren Helmuth Rilling und Christoph Prägardien.

Danach arbeitet sie auf Zuruf in einem Reisebüro. In dessen Auftrag kehrt sie als Leiterin einer Busreise, die quer durch das Land geht, abermals nach Südafrika zurück. Dieses Mal fällt ihr der Abschied noch schwerer, und sie entschließt sich nun endgültig mit ihrem Klassikprojekt das einseitige Deutschlandbild zu korrigieren, das die sogenannten “Schwalben” oftmals hinterlassen, die ausschließlich die Sommermonate im Land verbringen und nur die finanziellen Vorteile der niedrigen Lebenskosten nutzen.

Da sie weder Geld noch Kontakte hat, versucht ihre Familie sie von diesem Vorhaben abzubringen. Aber ermutigende Unterstützung erhält sie von “ihren” Künstlern, die sich sofort bereit erklären, ohne Gagen aufzutreten. Sie macht den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser: Ohne Unterkunft oder gar Räumlichkeit für das geplante Festival reist sie auf eigene Kosten ins Westkap, um ihre Vision zu realisieren. An so manche Tür klopft sie vergeblich, aber im Februar 2005 hat sie es geschafft: Das erste Cape Classic Festival findet statt, und einer der Austragungsorte ist gleich das weltberühmte Weingut “Vergelegen” bei Somerset West. In der altehrwürdigen Bibliothek organisiert sie drei Konzerte. Einer der Künstler ist der preisgekrönte Violincellist Daniel Müller-Schott. Um ein volles Haus zu garantieren, konzentriert sie sich bei ihrer Programmgestaltung auf Magnetkomponisten wie zum Beispiel Schubert und Schumann.

Ihr Konzept geht auf und damit nun auch die Türen zu den renommiertesten kapholländischen Weingütern rund um Stellenbosch. Namen wie Nederburg, Oude Libertas, Lanzerac oder auch Blauuwklippen stehen fortan auf ihren Programmen und Künstler wie  Wolfgang Bauer, der Gewinner des Classic Award 2009 im Fach Trompete gehören zu den Interpreten. Er wie auch alle anderen spielen ausnahmslos “pro bono”.

Aus den Konzerterlösen kann sie nun Musik-, Töpfer-, Tanz-, und Sportkurse, einen Anbau des iKhaya Trusts in Stellenbosch und sogar eine Suppenküche mitfinanzieren. Dass Cape Classic dabei nach wie vor als hundertprozentige – und somit vollkommen unabhängige – Privatinitiative agiert, möchte sie betont wissen. Mittlerweile hat sie sich selbst einen Namen gemacht und auch namhafte Schirmherren gewinnen können. “Leider nur ist die Anzahl der Sponsoren und Spender letztendlich nie ausreichend, weil der Bedarf an Mitteln einfach unendlich ist.”

Im November reist Gabi Zahn wieder – wie auch zuvor – auf eigene Kosten nach Südafrika. Sie wird bitten und betteln und verhandeln, und sie wird es schaffen, wie sie es immer geschafft hat. Und wenn die Kinder in den Townships sie freudig begrüßen mit einem spontan angestimmten Kanon, den sie ihnen vor zwei oder drei Jahren beigebracht hat, dann weiß sie, dass wieder einmal ein Samenkorn aufgegangen ist, und dass sie ihre wahre Berufung gefunden hat.”

Cape Classic ist ein Festival mit vokaler und instrumentaler Kammermusik, das 2011 zum siebten Mal im Westkap stattfindet. Von 2005 bis einschließlich 2009 fungierte Dr. Thomas Goppel, Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Bayern als Schirmherr der jährlich stattfindenden Veranstaltung.  2010 haben die Premierministerin von Western Cape, Helen Zille und der bayerische Staatsminister Siegfried Schneider die Schirmherrschaft übernommen. Die Künstler, die ausnahmslos ohne Gage auftreten, gehören zur Weltelite. Soweit nicht durch Sponsorengelder abgedeckt, übernimmt Cape Classic die Flug-, Unterkunfts-, Verpflegungs- und Mobilitätskosten. Mit den Gewinnen aus den Konzerten unterstützt die Privatinitiative soziale Hilfsprojekte in der Region. Zusätzlich zu den Konzerten bietet Cape Classic den Kindern in Kayamandi, dem Township von Stellenbosch künstlerische Workshops und Meisterklassen für Studenten des dortigen Konservatoriums an. Mehr Informationen zu den Projekten und zum Festivalprogramm 2011 sind zu finden unter www.cape-classic.com

Der “bacillius africanus” ist eine pseudo-medizinische Metapher für die Liebe zu Afrika, die Menschen dazu veranlaßt, für immer dort zu bleiben oder regelmäßig dorthin zurückzukehren.
“Schwalben” ist die Bezeichnung für gutsituierte Pensionäre, die ausschließlich die europäischen Wintermonate in Südafrika verbringen

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